Im ersten Sommer unseres Spanienaufenthalts wollten wir zum einen das Land kennen lernen und zum anderen der Sommerhitze Valencias entfliehen. Daher haben wir uns für eine Reise entlang der Nordküste entschlossen, die am westlichsten Ort Spaniens beginnen sollte und ursprünglich bis nach Tarragona am Mittelmeer führen sollte. Wie immer auf so einem Road-Trip kommt es doch etwas anders als vorgesehen. Doch dazu mehr innerhalb des Beitrags…
14.07. Valencia – Salamanca
Der erste Tag ist ein Fahrtag. Da uns die Strecke bis an den Atlantik als zu weit erschien, haben wir uns Salamanca als ersten Zwischenstop herausgesucht und Madrid für eine spätere Reise rechts liegen lassen. Als erstes ist uns die isolierte Laga Salamancas aufgefallen, im Umkreis von duzenden von Kilometern gibt es keine weitere bedeutende Stadt. Die Einwohner müssen also mit Ihrem Ort vorlieb nehmen oder zumindest eine weitere Reise auf sich nehmen. Ansonsten ist die Stadt vor allem durch ihre sakralen Bauten geprägt.
15.07.-17.07. Finisterre (galicisch Fisterra)
Am westlichsten Ort Spaniens der lange Zeit auch als der westlichste Punkt Spaniens galt verbringen wir nun vier Tage. Der westlichste Punkt Spaniens Kap Touriñán ist in Wirklichkeit eine Bucht nördlich von Fisterra und in Sichtweite. Dennoch zieht es die Urlauber und vor allem die Pilger des Jakobswegs nach Finisterre (‚Fin de la Terre‘, oder auf deutsch das ‚Ende der Welt‘). Ab hier gab es nach den Vorstellungen unserer Vorfahren nur noch das Meer und Seeungeheuer.
Heute reisen nach wie vor viele Pilger des Jakobswegs entweder mit dem Bus an oder laufen auch noch die letzte Strecke von Santiago de Compostela zu Fuß. Die ganz hart gesottenen verbrennen dann am Kap Fisterra ihre Pilgerkleidung (konnten wir jedoch nicht beobachten). Da im Westen nur noch das Meer folgt, kann man bei klarer Sicht die Sonne am Abend im Wasser versinken sehen.
Mal abgesehen von den spektakulären Sonnenuntergängen haben wir uns die Zeit mit Wandern, Kajakfahren und einer Rundfahrt mit einem Ausflugsdampfer vertrieben.
18.07.-19.07. Espinama – Picos de Europa Nationalpark
Von diesem Nationalpark und dem dazugehörigen Gebirge hatten wir noch nie etwas gehört. Wie sich schnell herausstellte ist der Nationalpark ein echtes Juwel, das wir nach einer Seilbahnfahrt auf annähernd 2000m Höhe erwandert haben. Nach rund 12km Länge mit 200m Anstieg und danach 1100m Abstieg, hatten wir uns ein leckeres Essen reichlich verdient.
20.07. Santander
Aus einem uns heute unerfindlichen Grund hatten wir hier zwei Tage Aufenthalt geplant. Aber wie bereits am Anfang des Beitrags beschrieben, sind wir mit solchen Details flexibel. Am ersten Tag empfanden wir die Stadt als ausgesprochen hässlich, daher haben wir unsere zweite Übernachtung auf Bilbao umgebucht. Zumindest hatten wir am Abend ein sehr leckeres Abendessen in der Markthalle. Am Morgen des Abreisetages sind wir dann noch auf die vorgelagerte Halbinsel La Magdalena gefahren, die uns mit ihrem Park, den Aussichten, den Plastiken und Gebäuden dann doch gut gefallen hat.
21.07. Bilbao
Bilbao verbindet man mit drei Dingen: Das Guggenheim Museum, Arbeit und gutem Essen vor allem die baskische Spezialitäten der Pintxos und der Kochclubs. Natürlich haben wir und das Museum angesehen und während des Wartens auf unseren zugewiesenes Zeitfenster viele Aufnahmen von außen gemacht. Die Ausstellung selbst fanden wir nicht so berauschend. Es gab ein ganzes Stockwerk für „Wortkunst“, die uns überhaupt nicht angesprochen hat. Das Museum hat nicht so einen großen Schatz in der Dauerausstellung wie das Pendant in New York, Picasso und Co., Fehlanzeige. Den Abend hatten wir dann mit ein paar Pintxos also den typischen kalten Tapas auf Brotscheiben eingeläutet und danach mit einem mäßigen Abendessen in einem sehr traditionellen Restaurant beendet.
22.07. San Sebastian
Wow! Eine mondäne Stadt in einer traumhaften Bucht umringt von Hügeln und Bergen. Hier ist mal echtes Sightseeing angesagt, mit der alten Standseilbahn geht es auf den Monte Igueldo mit seinem nostalgischen Vergnügungspark und einer tollen Aussicht über die Bucht. Danach immer dem Strand entlang zur Altstadt, wo wir uns diesmal in einer Jatetxea voll auf die Pintxos eingelassen haben. Kein Wunder, soll es hier doch die besten der Welt geben. Am nächsten morgen wollten wir noch einmal kurz im Atlantik baden gehen, aber das schlechte Wetter an diesem Morgen hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.
23.07.24.07. Candanchú
Mit dem Ort Candanchú und speziell mit der Auswahl des Snö-Hotels inklusive Halbpension hatten wir den berühmten „Griff ins …“ getan. Das Hotel war muffig, weil alt und von vielen nassen Skistiefeln betreten und die „Halbpension“ hatte nicht einmal einen der drei Sterne des Hotels verdient. Gebucht hatten wir drei Nächte, geblieben sind wir nur zwei. Zu allem Überfluss konnten wir nicht einmal das Geld für die nicht eingenommene Verpflegung zurück erhalten. Die Hoteliers waren nicht nur schlecht, sie waren auch total kundenunfreundlich. Am Ende dachten wir „Shit happens“, haben die Kröte geschluckt und sind einen Tag früher als geplant abgereist. So blieb uns nur ein voller Tag in den Pyrenäen, den wir mit einer Wandertour ausgefüllt haben. Diese Tour stellte sich dann aufgrund der dort typischen Wetterlage mit Regenschauern und tief in den Bergen hängenden Wolken als regelrechte Schlammschlacht heraus. Kein Vergleich mit dem Wetter und den Erfahrungen in den Picos…
25.07.-26.07. Gujan-Mestras am Südufer der Bucht von Arcachon
Hier wird’s mal wieder spontan; das Hotel in Reus (nähe Tarragona am Mittelmeer) teilte uns mit, das die Klimaanlage ausgefallen sein und wir kostenfrei stornieren könnten. Was nu haben wir uns kurz gefragt und Steffi kam auf die Idee, das Baden im Atlantik nachzuholen und mit einer Stippvisite in Frankreich zu verbinden.
Gesagt getan und ab zum Bassin d´Arcachon in das verschlafene Gujan-Mestras, in dem wir noch eine vernünftige Ferienwohnung für eine halbe Woche auftreiben konnten. Auf der Hinreise hatten wir uns mit der Düne von Pilat schon mal ein erstes Highlight angeschaut. Es folgte der erste vollständige Tag und mit ihm die erfolglose Suche nach Leihfahrrädern in unserer Größe in Gujan-Mestras. Haben wir uns aber nicht von beirren lassen und sind statt mit dem Velo halt mit dem Bus nach Arcachon. Schnell ein Ticket für die Fähre gekauft und die Wartezeit mit einem Crêpe versüßt. Dann ging es per Boot zum Kap Ferret und nach kurzer Querung der Landzunge hatten wir die Bucht von Biskaya und damit den offenen Atlantik erreicht. Das Baden war ein Erlebnis und die Wellen haben uns regelrecht umgeworfen. Hat echt Spaß gemacht. Am Abend gab es noch eine kleine Mutprobe für Steffi, denn ich bestand auf den Verzehr von einem halben Duzend Huîtres, wie die Austern hier genannt werden. Die Bucht ist ein einziges Austern Zuchtgebiet und dementsprechend viele kleine Anbieter verteilen sich am Ufer. Mir haben die Austern sehr gut geschmeckt, Steffi Kommentar „kann man essen, aber brauche ich nicht“ klingt da etwas zurückhaltender 😉
Das Arne hier nicht begeistert mitgemacht hat war klar, ich hätte in seinem Alter nicht einmal den Fuß in solch einen Laden gesetzt. Ich hätte mich einfach nur geekelt.
Am nächsten Tag wollten wir erneut Räder leihen, diesmal auf der anderen Seite der Bucht und mit wesentlich mehr Anbietern von Leihrädern. Aber auch diesmal hatten wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht, Räder in unserer Größe gab es nur wenige und die waren bereits reserviert. Also sind wir umsonst um die halbe Bucht mit dem Auto gefahren und die einstündige Routenplanung für die Fahrradtour durch die Pinienwälder zum Kap Ferret und zurück war auch vergebene Liebesmühe. Was bleibt ist ein erneuter Besuch von Arcachon, diesmal mit dem Auto und das durchstreifen des Villenviertels aus vergangener Zeit per Pedes.
Am Montag den 27.07. sind wir die rund 800km nach Valencia an einem Tag zurück gefahren, was bei der Verkehrslage und der Geschwindigkeitsbegrenzung in Frankreich und Spanien entspannter als erwartet war.
Alles in allem ein toller erster zweiter Eindruck des Landes aus Regionen, die zumindest Arne und ich noch überhaupt nicht kannten. Steffi war schon einmal im Nordosten aber das ist zwei Jahrzehnte her.
